Archiv des Autors: Markus Egger

Porta

Ein Bauernhaus mit grossem Stallanbau im Unterengadin sollte umgebaut werden, um den heutigen Wohnbedürfnissen einer fünfköpfigen Familie zu entsprechen. Das Gebäude befindet sich als eines von nur 170 Einzelobjekten im Inventar des schweizerischen Kulturgüterschutzes. Ein zweigeschossiger Anbau an das bestehende Bauernhaus, der als „Rucksack“ in den Stallraum hineinragt, ergänzt die bestehenden Wohnflächen mit fehlenden Raumfunktionen.

Das bestehende Wohnhaus selbst wurde im Grundriss belassen. Die Zimmeraufteilung wurde jedoch komplett umgestellt. Durch einen Mauerdurchbruch im Erdgeschoss wurden zwei kleine Räume miteinander verbunden. Heute wird die ehemalige Wohnstube als Arbeitsraum genutzt. Die ehemalige Küche ist zu einem gemütlichen Essraum geworden und in die frühere Vorratskammer wurde eine moderne Küche eingefügt. Dem grossen „Piertan“ im ersten Obergeschoss wurde anhand einer raumhohen Bücherwand Intimität verschafft. Dieser wird nun als Familien-Wohnraum genutzt. Von hier aus sind die drei Schlafkammern, die möglichst original erhalten wurden, erschlossen. Da die Kammern kaum Platz für Schränke bieten, wurde der neu angebaute Wirtschaftsraum mit einer grosszügigen Schrankzeile ausgestattet. Unter dem massgefertigten Doppelbett im Elternschlafzimmer sind zudem Schrankfächer eingebaut, so dass jeder Zentimeter Staufläche genutzt werden kann. Die in einem früheren Umbau des Hauses eingezogenen, stilistisch unpassenden, Holzbohlenböden wurden von der Künstlerin Susanne Lyner übermalt. Im Estrich entstand ein zusätzliches Zimmer, welches über eine neue Dach-Lukarne Tageslicht erhält.

Kubus

In einem Mehrfamilienhaus wurden zwei übereinanderliegende Wohnungen zusammengelegt und durch eine interne Treppe verbunden. Diese Erschliessung wurde als eigenständiger, kubischer Gebäudekörper ins Zentrum der Wohnung gesetzt und übernimmt auf jedem Stockwerk weitere Funktionen wie Gästetoilette, Wirtschaftsraum, sowie Stauraum.
Sämtliche Räume, vom Wohnen, übers Essen, bis zu den Schlafzimmern, finden ihre Anordnung um diesen Gebäudekörper herum. Die Erschliessung über einen umlaufenden Korridor schafft Grosszügigkeit und gleichzeitig Intimität, indem es „Öffentliches“ von „Privatem“ trennt. Die umlaufenden Langriemenböden, der Decken und  Wände in Lärchenholz, folgen dieser Logik und drehen ihre Laufrichtung um das mit einem dunklen Strukturputz markierte Zentrum der Wohnung. Durchgehende Einbauschrankzeilen mit offenen Durchgangs- oder Arbeitsnischen trennen die Schlafzimmer. Deren rechteckiger Grundriss wird aber durch die Einbauten nie beschnitten. Die Materialwahl orientiert sich an der Raumnutzung. Im Wohn- und Essraum sind die Böden in Holz und die Wände weiss verputzt ausgeführt, während die Schlafzimmer in weichen Oberflächen in Lärchenholz und hochflorigen Wollteppichen ausgeführt sind. Für den Innenausbau wurde viel Holz verwendet. Durch die spezielle Oberflächenbehandlung der schlichten Lärche, wirken die Räume gemütlich und warm, aber nie rustikal. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit Jori Architektur in Klosters.

Materialien:
Lärchenholz, Strukturputz, Neolith, Wollteppich
Möblierung:
Vitra  e15  Horgen Glarus  Cassina  Ruckstuhl 

Bogn Engiadina Scuol

Mit Hilfe einer Planungsstudie in einem eingeladenen Projektwettbewerb wurde für die Eingangshalle vom Bogn Engiadina in Scuol  eine architektonisch optimale Lösung gesucht. Die komplexen Anforderungen in Hinsicht auf das Raumprogramm und die betrieblichen Abläufe in einer Eingangshalle mit einer Personenfrequenz von bis zu 10000 Personen/ Tag haben wir wie folgt gelöst.

Projektbeschrieb:

In der Umgebung von Scuol treten 25 verschiedene natürliche Mineralwasserquellen aus den Tiefen der Erde aus und bescheren dem Unterengadin eine bis in das 19 Jh. zurückreichende Trink- und Badekultur. Mit dem vorliegenden Entwurf möchten wir diese einmalige Wasservielfalt für den Badegast im Bogn Engadina sichtbar und erlebbar machen und stellen dafür die Quelle ins Zentrum der Eingangshalle Bogn Engadina. Beim Betreten der Trinkhalle durch den nördlich gelegenen Haupteingang zeigen sich dem Besucher hangseitig als erstes sechs  in Beton gegossene Trinkbrunnen. Diese treten leicht aus der in Tuffstein gehaltenen Wand hervor. Um den davorliegenden Raum von Ein- und Ausgangsdrehkreuzen zu befreien, muss die bestehende Zugangstreppe zum Badebereich um ca. 90 cm verschoben werden. Der so gewonnene Raum dient, mit einfachen Bistrotischen und Stühlen möbliert, als Aufenthalts- und Begegnungsort, wo der Besucher für eine Trinkkurberatung oder zum Genuss des frischen Quellwassers verweilen kann. Anhand einer Bildprojektion an die grossflächige Wand des Soleturms kann der Gast über die  umliegenden Quellen und die Geschichte des Wassers in unserer Region informiert werden. Im Westen wird die Eingangshalle von einer 21 Meter langen abgewinkelten Nischenwand abgeschlossen. In deren Vertiefungen befinden sich Informationsbroschüren zu den verschiedenen Angeboten und der Durchgang zu den Therapieräumen und Verkaufsvitrinen. Nur dem Personal zugänglich ist eine eingelassene „Küchennische“ mit Regalen für Trinkgläser und -flaschen, Stauraum für Badeartikel, der Zugang zu einem kleinen BackOffice sowie die Personaltüre zum Besprechungszimmer für Therapieberatungen. Der weiss gehaltene Empfangsdesk trennt den Personal-und Kassenbereich vom Besucherbereich ab und bildet vor dem Kassenbereich ausreichend Raum. An dessen Längsseite, dem Trinkbrunnen zugewandt, finden die Trinkkurberatungen statt. An der Rückseite, den Arkaden zugewandt, können vom Kassenpersonal Anmeldungen  für Therapieberatungen entgegengenommen werden. Die Beratung selber  kann diskret im angrenzenden Beratungsraum erfolgen. Dieser ist besucherseitig durch eine eigene Türe zu erreichen, ohne dass der Besucher den Kassenraum betritt. An der kurzen Stirnseite des Desks, in unmittelbarer Nähe zum Ausgangsdrehkreuz, können Nachzahlungen getätigt werden. Hier befindet sich auch der Einwurf für die gebrauchten Badetücher. In den Arkaden befinden sich beidseitig der runden Fenster zum Hauptbad bequeme Sitzgelegenheiten mit leicht erhöhten Ablageflächen.

Bad Schuls
Bad Schuls
Bad Schuls
Bad Schuls

in die Mitte gerückt

Bei der geräumigen Vierzimmerwohnung in einem Haus aus den frühen 1970er Jahren fehlt das für diese Zeit übliche Esszimmer. Zum Essen diente ein Küchentisch, der in dem fast quadratischen Küchengrundriss in einer Ecke untergebracht war. Eine klassische „Küche mit Essgelegenheit“.
Mit unserem Eingriff haben wir den Esstisch als Begegnungsort ins Zentrum gerückt. Mit dem wohnlichen Ambiente ist die Küche jetzt „Esszimmer mit Kochgelegenheit“.

Materialien:
Eiche furniert, gebürstet
Steinabdeckung Nero assoluto
Textilien Rohleinen, Wollfilz